Dürfen Discounter bald in Wohngebieten nicht mehr bauen?

Damit beschäftigen sich derzeit mehrere Berliner Bezirke, Bauamt etc. Wie die Berliner Morgenpost berichtet könnte es schon bald Realität sein, dass sich in Wohngebieten keine Discounter sowie auch Waschstraßen, Fast Food Ketten und so weiter ausbreiten.

Ganz ehrlich gesagt hatte ich mich mit diesem Aspekt noch überhaupt nicht auseinander gesetzt. Jedoch finde ich dies durchaus positiv und einer Unterstützung und Nachahmung wert, denn vor allem in einer Großstadt wie einer in der ich wohne gibt es zum einen nicht einmal genügend Platz um den stetig steigenden Bedarf an Wohnflächen zu decken und weiter weine ich auf beiden Augen wenn ich das kontinuierliche Sterben von immer mehr und mehr „kleinen“ Geschäften sehe.

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eLidl

Schon etwas älter die Meldung, trotzdem möchte ich sie der Vollständigkeit halber verlinken, da es sich hier ja auch um den einen Discounter handelt.

„Der Lidl Online-Shop vor dem endgültigen Start“ (via Exciting Commerce)

Hurra! Wir haben alle lange darauf gewartet. Tschuldigung, etwas Ironie muss sein in der heutigen Zeit.

Für Lidl bedeutet das natürlich die Schaffung eines neuen Absatzkanales, oder auf gut Deutsch „Channels“. Hochaktuell, gut auffindbar über Suchmaschinen, geringe Kosten oder zumindest geringere Kosten als ein lokales Ladengeschäft zu betreiben (wenn man es schlau anstellt).

Mit Tchibo, Plus und anderen nun einer der nächsten ganz großen die sich ins Internet wagen. Aldi wird sich das wahrscheinlich noch, in altbewährter Marnier, etwas ansehen, verstehen, lernen, und auch ruff damit…

Was bedeutet das alles wieder im Bezug auf Nachhaltigkeit? Na ja, eigentlich einfach nur, dass die ganze nichtnachhaltige Grüze nun auch über das Netz bezogen werden kann.

Lidl würde ich empfehlen, in den Shop KEINE Community-Features einzubauen. Denn die schlechten Bewertungen auf diverses Billighandwerkszeug aus Asien oder die von sonstwem in Asien billigst produzierten Klamotten könnte nur ein Redaktionsteam von der Größe eines afrikanischen Kleinstaates weg-moderieren. Ich komme nur drauf weil im Quelltext auf eTracker verwiesen wird, eine Firma die sich mit Live-Nutzerumfragen auf Websites und Besucherkennzahlen beschäftigt.

Aus eCommerce-Sicht ist das ja alles nett und schön, dass die Discounter sich nun auch ins Netz wagen. Aber ich hege noch immer die Hoffnung, dass sich Shops die Meinungen von anderen zulassen und wo die Community das Marketing übernehmen wird kann, langfristig gesehen überleben und die anderen verpuffen.

Ein weiterer Kandidat

Wer bei Discountern nur an Lebensmittel denkt liegt etwas daneben. Ich darf Wikipedia mal kurz zitieren: „Als Diskonter bzw. Discounter (von engl. discount = Preisnachlass, Rabatt) bezeichnet man Unternehmen des Einzelhandels, die sich durch ein schmales Warensortiment, einfache Warenpräsentation, kleine Verkaufsflächen und durch diese Kosteneinsparungen ermöglichte geringe Preise auszeichnen.“

Und seit heute mit auf meiner Liste: Tchibo. Dass die nicht erst seit gestern zu den nicht unbedenklich handelnden Unternehmen zählen dürfte allgemein bekannt sein. Aber seit gestern wird wieder durch eine beachtliche Aktion der Bloggerin Kirsten Brodde Tchibo wieder etwas mehr ins Scheinwerferlicht der kritischen Konsumenten gehieft.

Ganz kurz: es geht um Produkte, welche durch Kinderarbeit für Tchibo hergestellt werden. Bitte unbedingt lesen, auch den Artikel hier im SPIEGEL Online.

Wo mich dann wirklich ein harter Schlag getroffen hat: Spreadshirt soll die T-Shirts für Tchibo produziert haben. Da fällt mir gar nichts mehr ein, ich bin enttäuscht, so ein klug und erfolgreich aufgezogenes Unternehmen mit solch negativen Schlagzeilen in Berührung zu sehen.

Ich hoffe imständig, dass die weitere Recherche von Frau Brodde die ganze Wahrheit ans Licht bringt. Wahnsinn wäre wenn wir demnächst lesen könnten: „Spreadshirt lässt von Kinderhand produzieren“…

Definition von Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit hat viele Aspekte. Wer mehr darüber wissen möchte, wird bei (na klar!) Wikipedia schlau gemacht.

Nachhaltiger Konsum

Ich überlege gerade, wo ich denn mit hoher (gefühlter) Wahrschneinlichkeit etwas zur Nachhaltigkeit beitrage, sprich „nachhaltig konsumieren“ kann. Mir sind folgende bekannt bzw. gerade eingefallen:

  • Transfair (Ein gemeinnütziger Verein mit dem Ziel, benachteiligte Produzentenfamilien in Afrika, Asien und Lateinamerika zu fördern und durch den Fairen Handel ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern. Vergibt auch das Produktsiegel „Fairtrade“)
  • Armed Angels (mit jedem gekauften T-Shirt wird die Schulausbildung eines indischen Kindes finanziert)
  • TOMS Shoes (für jedes gekaufte Paar Schuhe wird ein weiteres Paar an ein Kind, welches dringend welche benötigt, weiter gegeben)

Wer kennt weitere?

Interessant finde ich auch den Ansatz von eBay, eine Handelsplattform ausschließlich für fair gehandelte Güter zu schaffen. Mehr dazu bei cnet.

Nachhaltigkeit hat natürlich viele Aspekte: ökologische, ökonomische, finanzielle usw. Je nachdem wie man es auslegt, tragen die oben genannten und sicherlich noch einige andere auch über unterschiedliche Ansätze ihren Teil dazu bei.

Vielleicht sollte es dafür ja eine Art Siegel geben. Verknüpft mit einem Punktesammelsystem (ja ich weiß, bitte keine weiteren Kundenkarten mehr, ich schwimme auch bereits darin), welches den „nachhaltigen“ Konsum anregt?

Lebensstil prägt Konsumverhalten

Davon bin ich fest überzeugt. Es gibt mittlerweile auch Studien und die eine oder andere Publikation dazu, aber worauf ich hinaus will ist der vielmissgebrauchte Begriff LOHA. Die Definition lt. Wikipedia, der Wissensalmacht: >LOHAS ist ein Akronym für „Lifestyle of Health and Sustainability“. Es steht für einen Lebensstil oder Konsumententyp, der durch sein Konsumverhalten und gezielte Produktauswahl Gesundheit und Nachhaltigkeit fördern will.<

Wenn es also Menschen gibt, die solche LOHA’s sind, dann zähle ich mich zu einem Teil dazu, rein mal von der Absicht her gesehen. Aber wie kann ich denn wissen, wie nachhaltig mein Konsum denn tatsächlich ist? Wie lässt sich denn Nachhaltigkeit messen, gibt es da bereits Methoden?

Ich denke, jeder hat so seine ganz eigene Definition von Nachhaltigkeit. Oder auch nicht. Meiner Meinung nach ist die Bedeutung des Begriffs Nachhaltigkeit erst einmal überhaupt nicht bekannt, behaupte ich mal. Meine eigene Definition könnte etwa so aussehen:

  • Daran denken, wie sich meine Handlung und mein Verhalten auf die Gegenwart auswirkt (Welt, Mitmenschen, Umwelt etc.)
  • Daran denken, wie sich meine Handlung und mein Verhalten auf die Zukunft auswirkt (nachfolgende Generationen, die Welt, das Leben)

Um zu wissen, wie sich meine Handlung und mein Verhalten auswirken denke ich, muss man ganz schön viel wissen. Zusammenhänge kennen und verstehen. Hinterfragen. Nicht oberflächlich sondern tiefgründig mit den Dingen auseinander setzen.

Um nun mal wieder den Bogen zu den Discountern zu bekommen: eine grundlegende Eigenschaft eines Discounter-Unternehmens ist es unter anderem, schnell zu wachsen und möglichst viel Marktanteil zu erlangen. Das lässt sich imho nicht mit mit den Werten der Nachhaltigkeit vereinen.Entweder, oder. Oder geht es doch?

Letztendlich können wir Verbraucher durch unser Konsumverhalten extrem viel steuern. Nur das Bewußtsein und Wissen, dass dies tatsächlich geht und wie es geht, fehlt den meisten Verbrauchern. Wir brauchen so etwas wie eine Aufklärung zum nachhaltigen Einkauf.

Ja ja ich weiß, das mal einer fünfköpfigen Familie erzählen, die von nur einem schlechten Einkommen leben muss. OK, es muss ja vielleicht nicht jeder gleich so denken und handeln. Es ist wahrscheinlich auch eine Frage des sich-leiste-könnens, gell?

Wer kann es sich schon leisten, seinen gesamten Einkauf in einem Biomarkt á la Basic oder Landmanns zu decken? Aber selbst wenn, viele die es sich leisten könnten, gehen zu Lidl, Aldi und Co.

Nein ich denke nicht, dass die „alternativen“ (Bio)Supermärkte komplett alles richtig machen und die Lösung des „Problems“ sind.

Aber ist das nicht an der falschen Stelle gespart? Und hier komme ich wieder auf den Punkt zurück, dass uns Verbrauchern noch viel zu wenig der Durchblick fehlt, was hinter den Billigprodukten und den billigen Preisen steckt, und wie mehr Wissen zu einem Umdenken in unserem Konsum führen würde könnte.

Ich halte es schlichtweg für unmöglich, permanent beim Einkauf darauf zu achten, ob ich damit nun nachhaltig handle, ich halte es auch für unmöglich, all das dazu notwendige Wissen immer abrufbereit zu haben.

Aber ich versuche immer, das notwendige Gleichgewicht zu finden, soweit in einem finanziellen und auch sonst vernünftigen Rahmen umsetzbar.

Lidl bei Kerner

Hat jemand Herrn Gehrig bei Kerner angesehen? Hier gibt’s einen kleinen Ausschnitt, lässt sich da ZDF Originalmaterial leider nicht im Blog einbetten.

In dem Ausschnitt kommt leider nur ein Bruchteil der teilweise interessanten Sendung rüber. Aber bitte, was hat sich denn das Publikum und die Zuseher davon erwartet? Dass ein Konzern sich gleich beim zweiten Auftritt in der Öffentlichkeit (der letzte war 2004) öffnet und zum Dialog bereit ist? Mann Mann Mann, was für ein peinlicher Auftritt von Gehrig.

Laut SPIEGEL ONLINE hätte sich Gehrig besser einen PR-Berater nehmen sollen. Ja braucht denn jemand in solch einer Position, mit der (das suggeriere ich jetzt einfach mal) langjährigen Erfahrung und einer derartig verantwortungsvollen Position einen PR-Berater? Bei allem Respekt, aber jeder der noch halbsweg bei normalem Verstand und im Besitz seiner geistigen Kräfte ist, gibt nicht solch dermaßen unprofessionelle und voreilige, unüberdachte Antworten…

Und auch an dieser Stelle frage ich mich wieder, und immer mehr: was bitte ist Lidl für ein Unternehmen, wie ticken die? Scheuen die Öffentlichkeit wie die Vampire das Licht, unterbinden nachweislich Betriebsratgründungen, traktieren ihre Mitarbeiter usw.?

Geht es denn wirklich nicht anders, steht das in unmittelbarem Zusammenhang mit den Niedrigpreisen und dem Wettkampf unter den Discountern?

Es gibt genügend Beispiele erfolgreicher und stark wachsender Unternehmen da draußen, die sich ihrer Verantwortung bewußt sind und entsprechend nachhaltig und sensibel mit ihren Mitarbeitern, Umwelt, Lieferanten umgehen.

Denn letztenlich ist es doch so: Companies don’t succeed, people do! Und wer darauf achtet, hat auch langfristig Erfolg und eine Chance. Außer man kalkuliert gar nicht anders und hat den „Raubbau“ bereits vorprogrammiert, dann wäre alles klar. Das wäre aber auch mehr als fatal und verwerflich, imho.