Lidl bei Kerner

Hat jemand Herrn Gehrig bei Kerner angesehen? Hier gibt’s einen kleinen Ausschnitt, lässt sich da ZDF Originalmaterial leider nicht im Blog einbetten.

In dem Ausschnitt kommt leider nur ein Bruchteil der teilweise interessanten Sendung rüber. Aber bitte, was hat sich denn das Publikum und die Zuseher davon erwartet? Dass ein Konzern sich gleich beim zweiten Auftritt in der Öffentlichkeit (der letzte war 2004) öffnet und zum Dialog bereit ist? Mann Mann Mann, was für ein peinlicher Auftritt von Gehrig.

Laut SPIEGEL ONLINE hätte sich Gehrig besser einen PR-Berater nehmen sollen. Ja braucht denn jemand in solch einer Position, mit der (das suggeriere ich jetzt einfach mal) langjährigen Erfahrung und einer derartig verantwortungsvollen Position einen PR-Berater? Bei allem Respekt, aber jeder der noch halbsweg bei normalem Verstand und im Besitz seiner geistigen Kräfte ist, gibt nicht solch dermaßen unprofessionelle und voreilige, unüberdachte Antworten…

Und auch an dieser Stelle frage ich mich wieder, und immer mehr: was bitte ist Lidl für ein Unternehmen, wie ticken die? Scheuen die Öffentlichkeit wie die Vampire das Licht, unterbinden nachweislich Betriebsratgründungen, traktieren ihre Mitarbeiter usw.?

Geht es denn wirklich nicht anders, steht das in unmittelbarem Zusammenhang mit den Niedrigpreisen und dem Wettkampf unter den Discountern?

Es gibt genügend Beispiele erfolgreicher und stark wachsender Unternehmen da draußen, die sich ihrer Verantwortung bewußt sind und entsprechend nachhaltig und sensibel mit ihren Mitarbeitern, Umwelt, Lieferanten umgehen.

Denn letztenlich ist es doch so: Companies don’t succeed, people do! Und wer darauf achtet, hat auch langfristig Erfolg und eine Chance. Außer man kalkuliert gar nicht anders und hat den “Raubbau” bereits vorprogrammiert, dann wäre alles klar. Das wäre aber auch mehr als fatal und verwerflich, imho.

Der Name ist Programm?

Im Zuge des Blog-Starts befinde ich mich permanent in der Findungsphase, was die Kernthemen dieses Blogs angeht. Soll ich nun auch Themen die Mitarbeiterbehandlung bei den Discountern angeht, mit rein nehmen, oder nicht?

Auf den ersten Blick würde das ja prima reinpassen, “Watch” ist ja erst einmal allgemein zu allem und allen Discountern gemeint. Jedoch möchte ich schon immer auch den Bezug zur Bedeutung und Auswirkung für den Konsumenten in den Vordergrund stellen. Witzigerweise wäre DiscounterWatch aber auch die Praxis einiger Discounter Unternehmen (nicht nur Discounter), seine Mitarbeiter zu “bespitzeln” (siehe aktuelle Presse zu IKEA, Burger King, Lidl etc.; Quelle: Welt Online).

Das sind wahrlich keinen Schönen Methoden. Aber hat das wirklich nur etwas mit Discountern zu tun, sind das nicht vielleicht viele weitere andere Unternehmen? Die halt (noch) das Glück haben, dass es bisher keinem aufgefallen ist, oder die damit noch nicht in der Presse stehen?

Oder aber ist das eine Spezialität eben dieser Discounter und somit nur ein weiterer Bestandteil eines Zulieferer- UND Mitarbeiterunfreundlichen Systems?

Diese und viele weitere Fragen drücken mir derzeit auf’s Gemüt.

Sklavenbrötchen?

Ein Artikel der mich jüngst zutiefst erschüttert hat, ist im aktuellen Magazin der ZEIT (vielen Dank, dass es dieses liberale Blatt gibt) abgedruckt. Günter Wallraff, vielen vielleicht von diversen Under-Cover-Aktionen bekannt, hat mal wieder recherchiert. Verdeckt, versteht sich von selbst.

Sein Einsatzort: ein Zulieferer des Discounters Lidl, welcher ausschließlich für Lidl Brötchen produziert und liefert. Hier gehts zu dem Artikel. Quelle: www.zeit.de

Es passt wunderbar gerade in die Zeit (ich meine die Zeit, nicht die ZEIT), in der ja eh genügend Artikel über Bespitzelung und Unterdrückung sowie schlechte Behandlung von Mitarbeitern geschrieben werden. Deshalb denke ich muss man hier auch erst einmal vorsichtig sein, daraus nicht gleich wieder ein Pauschalurteil abzuleiten, wie z.B. “Ist der eine Lieferant schlecht, der Lidl beliefert = alle Lieferanten schlecht, die die verschiednen Discounter beliefern”.

Puhh, ich finde es sehr schwer, a) allem und allen sofort meinen vollen Glauben zu schenken und b) dann im Anschluß daran auch noch richtig zu handeln bzw. die notwendigen Konsequenzen daraus zu ziehen.

Los gehts!

Ich bleibe erst einmal anonym. Ich bin mir noch nicht sicher, wohin mich dieses Blog führen wird, oder wohin ich dieses Blog führen werde. Aber eines ist mir klar: Discounter (Billigsupermärkte) stoßen mir als mündiger Verbraucher immer mehr auf.

Halt: ich bin kein Körnerfreak und nicht seit 68 Mitglied bei Greenpeace, kein bespitzeltes Arbeitstier bei Lidl & Co.

Dennoch möchte ich für mich selbst soweit möglich, nachhaltig handeln, auch was den Einkauf meines täglichen Bedarfs an Lebensmitteln und Nicht-Lebensmitteln angeht. Und genau das denke ich, mehr und mehr NICHT mehr tun zu können. Zumindest nicht, ohne ein Vermögen bei den Bio-Märkten liegen zu lassen (wo ich auch oft einkaufe).

Ist es denn in der heutigen Zeit überhaupt noch möglich, eine z.B. vierköpfige Familie gesund und ausreichend zu ernähren, ohne dass ich die meisten Dinge beim Discounter kaufen muss, weil sonst kein Geld mehr für andere Dinge übrig bleibt? Kann ich es mit meine Gewissen, bei allem was in den Medien berichtet wird, denn noch vereinbaren, beim Discounter zu kaufen? Ist das für einen normalen Verbraucher überhaupt noch zu durchschauen und nachzuvollziehen, was alles - im Positiven sowie im Negativen - unterstützt wird, wenn ich beim Discounter kaufe?

Viele Fragen bewegen mich, und dieses Blog soll in erster Linie mal dazu dienen, mir da ein bisschen Luft zu machen.